Hilfe finden

Mutterschaft verändert das Leben.

Sie haben sich ein Baby gewünscht. Jetzt ist es da – und Sie können nicht verstehen, dass Sie sich darüber nicht freuen können. Statt Glück und Stolz erfüllen sie Angst, Traurigkeit und Selbstzweifel. Warum?

Babys kommen mit Bedürfnissen auf die Welt – Bedürfnisse nach Zuwendung, Sättigung, Körperpflege. Bereitschaft rund um die Uhr ist gefragt – mit neuen Tagesrhythmen und unruhigen Nächten. Manchen Müttern bereitet es Schwierigkeiten, sich daran zu gewöhnen – bis zu psychischen Problemen, die sich nach der Geburt plötzlich einstellen. Von einfachen Stimmungstiefs bis zu Depressionen und Psychosen.

Unser wichtigster Rat: Fürchten Sie sich nicht vor den Problemen, die sich damit stellen mögen – sondern erfahren Sie, wie diese lösbar werden.

Mutter mit Kind

Baby-Blues

Tage, die Mütter zum Weinen bringen.

„Ich bin bestimmt nicht
nahe am Wasser gebaut –
doch jetzt kommen mir
ständig die Tränen ... “

Viele Mütter erleben nach der Geburt ein seelisches Tief. Sie fühlen sich traurig, könnten den ganzen Tag weinen und werden von Stimmungsschwankungen hin und her bewegt – wie Blätter im Wind. Hinzu kommt große Erschöpfung durch die Anstrengungen der Geburt, den Schlafmangel nach durchwachten Nächten und die postpartale Hormonumstellung. Der Baby-Blues überfällt sie.

Was nicht erstaunt: die Mütter werden ruhelos, reizbar, überängstlich und klagen über Konzentrationsmängel. Das geht bis zu 80% der Mütter so. Doch solche postpartalen Stimmungstiefs, klingen nach wenigen Tagen von selbst ab. Wenn sie länger als 10 Tage anhalten, können behandlungsbedürftige psychische Krankheiten daraus erwachsen. Der Baby-Blues für sich ist nicht behandlungsbedürftig.

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verzweifelte Frau

Postpartale Depression

Depressionen beherrschen lernen.

„Ich habe mir so sehr ein Kind gewünscht
und nun kann ich mich über das Baby nicht freuen,
ich verstehe mich selbst nicht mehr.“

Anhaltende Stimmungstiefs und Erschöpfung können Zeichen depressiver Zustände sein. Ein Krankheitsbild, das nicht leicht zu schultern ist – schon gar nicht für Mütter, die ein Baby zu versorgen haben und in eine ganz neue Rolle hineinwachsen müssen.

Typische Symptome:

  • Schwere Erschöpfungszustände
  • Antriebs- und Energielosigkeit, Gefühl der Inneren Leere und Unruhe
  • Ständige Angst, das Baby nicht gut genug zu versorgen oder es zu verletzen
  • Das Gefühl, mit dem Kind überhaupt nichts anfangen zu können
  • Ausgeprägte Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen und zwanghaftes Grübeln
  • Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, bleierne Schwere und Appetitlosigkeit
  • Selbsttötungsgedanken

Etwa 10% bis 15% aller Mütter sind von diesen Beschwerden betroffen – oft, ohne sich über die Folgen klar zu sein.
Doch die Chancen, diese Erkrankung zu beherrschen, stehen gut, wenn professionelle Beratung und Therapien durch Psychiater/innen und Psychotherapeuten/innen in Anspruch genommen werden.

Je früher fachliche Hilfe wirksam wird, umso schneller kann die Behandlung zum Erfolg führen. Sollte ein Aufenthalt in einer Klinik notwendig werden, bieten viele Einrichtungen auch eine gemeinsame Aufnahme von Müttern mit ihren Säuglingen und Kleinkindern an.

Durch die Depression kann es schwer werden, eine emotionale Beziehung zum Kind zu finden. Statt Freude schleichen sich Angst, Unsicherheit und Gefühllosigkeit ein Die Versorgung des Kindes wird zur Last und es fällt zunehmend schwerer, auf das Baby einzugehen und seine Signale zu verstehen. Daraus kann sich ein Teufelskreis zwischen Mutter und Kind entwickeln. Dadurch kann eine gute Entwicklung des Babys gestört werden.

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verzweifelte Frau

Postpartale Psychose

Eine Krankheit, die nicht von alleine verschwindet.

„ ... auf einmal ist alles verändert.
Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Diese Form postpartaler psychischer Erkrankungen trifft nur 1 bis 2 von tausend Frauen – kurz nach der Geburt oder in den ersten Wochen danach. Dabei verlieren die betroffenen Mütter die Beziehungen zur Realität – beherrscht von quälenden Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen (Halluzinationen). Sie fühlen sich z.B. verfolgt, von Nachbarn überwacht oder glauben, mit ihrem Baby eine Sendung erfüllen zu müssen. Oft hören sie Stimmen, die ihnen Befehle geben oder schlecht über sie und das Baby reden. Manche Mütter erleben hohe Antriebssteigerungen und werden extrem unruhig – andere verhalten sich apathisch und scheinen wie gelähmt. Angst und Glücksgefühle können im schnellen Wechsel aufeinander folgen.

Mütter, die an postpartaler Psychose erkranken, verlieren das Vertrauen in ihre gewohnte Umgebung und die alltäglichen Abläufe. Beziehungen werden in Frage gestellt. Realitäten scheinen sich zu verändern. Eine ärztlich-psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung ist dann unbedingt erforderlich. Einige Kliniken bieten dafür die gemeinsame Aufnahme von Müttern und Kindern an.

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Borderline-Störung

Grenzverhalten zwischen Zuwendung und Ablehnung.

Mutter mit Kind

„Obwohl ich mein Kind liebe und ganz für es da sein will, kann ich plötzlich so wütend werden, dass ich Angst habe ihm weh zu tun.“

Ein schwer auszuhaltendes Verhalten ist typisch für eine sogenannte Borderline-Störung – eine Belastung der Persönlichkeit, die den Umgang der Mütter mit ihren Kindern sehr beeinträchtigen kann. Unter dem Einfluss innerer Anspannung und einem Auf und Ab von Gefühlen fühlen sich die Mütter überfordert und können den Bezug zur Wirklichkeit verlieren. So kann es zu ständigen Veränderungen in ihrer Beziehung zum Baby kommen – zum Wechsel von Liebe und Ärger, Zuneigung und Ablehnung, Fürsorge und Nachlässigkeit.

Häufig sind die Mütter Störungen der Impulskontrolle unterworfen – bis zur Unfähigkeit, Impulse zu beherrschen. Zum Beispiel, wenn durch Weinen, Schreien oder Zuwendungssuche ihres Kindes eigene traumatische Kindheitserlebnisse in Erinnerung gerufen werden. Und damit Verluste und Entbehrungserfahrungen wieder aufleben.

junge Frau

Probleme bei Borderline-Störung:

  • Schwierigkeiten mit dem Alleinsein
  • Angst vor Trennungen
  • Intensive aber gleichzeitig instabile Beziehungen – mit schnellen Wechseln zwischen Zuneigung und Ablehnung
  • Starke Anspannung
  • Potentiell selbstschädigendes, häufig impulsives Verhalten
  • Sich wiederholende oder angedrohte Suizidversuche
  • Ausgeprägte Empfindlichkeit bei Kritik und häufige Stimmungsschwankungen
  • Anhaltendes Gefühl der inneren Leere
  • Schwierigkeit bei der Kontrolle von Wut und Ärger
  • Vorübergehendes Gefühl sich zu entfremden

Angststörungen

Ängste, Furcht und Panik.

„ ... ich kann nichts mehr gelassen sehen. Ich habe soviel Angst um mein Baby, dass ich mich nicht mehr traue, es aus den Augen zu lassen.“

Es gibt verschiedene Formen von Angststörungen: Zum Beispiel unerwartete Panikanfälle, die von Todesangst begleitet sind (Panikstörung), Angstzustände in großen Menschenansammlungen, auf Plätzen und in anderen öffentlichen Räumen (Agoraphobie), Angst vor prüfenden und kritischen Betrachtungen, genauso wie die Furcht, Erwartungen anderer nicht erfüllen zu können (Soziale Phobie) oder die Angst, dass man selbst oder die Familie, einem zukünftigen Unglück ausgeliefert sein könnte. Ständige Sorgen und Befürchtungen bestimmen den Alltag (Generalisierte Angststörung).

Allen Angststörungen ist gemeinsam, dass sie ständig präsent sind und den Alltag begleiten. Bestimmte körperliche Symptome treten zusätzlich auf: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, schweißnasse Hände, Beklommenheit, Engegefühle in der Brust, Übelkeit und Erbrechen.

Mit psychotherapeutischen Maßnahmen und medikamentösen Therapien lassen sich gute Erfolge bei der Behandlung davon betroffener Mütter erzielen.

Zwangsstörungen

Zwänge, die nicht loslassen.

„... sobald ich mein Baby in den Arm nehme, habe ich das Gefühl, ich muss es fallen lassen.“

Betroffene leiden unter dem inneren Zwang, bestimmte Dinge immer wieder tun zu müssen. Oder einzelne Gedanken ständig von neuem durchdenken zu müssen. Typisch ist die Reaktion, diesen Zwängen nachgeben zu müssen – aus Angst, dass sonst Schlimmes passieren könnte. Häufig handelt es sich dabei um zwanghafte Befürchtungen, die zur ständigen Kontrolle zwingen– z.B. ob der Herd wirklich ausgeschaltet ist, alles an seinem Platz steht, die Wasserhähne abgedreht sind, das Auto abgeschlossen ist...

Nicht selten beziehen sich die Befürchtungen auf das Baby: es fallen zu lassen, es zu heiß zu füttern, es anzustecken. Solche Ängste und Befürchtungen können auch mit zwanghaften Impulsen verbunden sein dem Kind zu schaden, die umso mehr quälen, weil die Mutter ihr Kind liebt.

Solche Symptome können stark überhand nehmen – bis zur vollständigen Blockade alltäglicher Abläufe. Hier können eine Psychotherapie und/oder Medikamente weiterhelfen.

Posttraumatische Belastungsstörungen

Rückkehr des Schreckens.

„Ich komme nicht los.“

Traumatische Erlebnisse – z.B. gewalttätige Übergriffe, Umweltkatastrophen, Kriege oder andere lebensbedrohende Situationen können zu schweren psychischen Störungen führen. Quälende intensive Erinnerungen an das Trauma drängen sich immer wieder auf (Flashback).

Die Betroffenen fühlen sich wie betäubt, können teilnahmslos werden und sich emotional völlig zurückziehen. Manchmal kommt es auch zu Ausbrüchen von Panik und Aggression, in Verbindung mit erhöhter Schreckhaftigkeit, Schlaflosigkeit, Alpträumen und Angst.

Auch eine Geburt kann als traumatisches Erlebnis empfunden werden. Traumaspezifische Psychotherapien können entlasten und Hilfe bringen.

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Baby

Die Hand ergreifen,
die wir reichen.

Wir helfen den Müttern – indem wir dazu beitragen, ihre Erkrankung zu überwinden, die Mutterschaft genießen zu können und eine innige Beziehung zu ihrem Baby zu entwickeln.

Und wir helfen den Kindern – indem wir ihnen gute Entwicklungschancen mit auf den Weg geben.