Hilfe finden

Fragen beantworten,
die sich viele Mütter stellen.

Familie

Wir haben viele der Fragen, die Frauen wie Sie beschäftigen, zusammengestellt und beantwortet. Vielleicht hilft Ihnen das schon einen Schritt weiter. Bei speziellen Fragen wenden Sie sich bitte an unser Team.

  • Warum bin ich seit der Geburt so bedrückt?
    Viele Frauen (ca. 50 - 80%) leiden nach der Geburt an einem Stimmungstief, dem Baby Blues – obwohl doch die Vorfreude auf das Baby so groß war. Baby Blues nennt man das. Sie hatten sich auf eine glückliche Zeit eingestellt, können sich jetzt aber über ihr Kind nicht freuen. Und verstehen sich selbst nicht mehr. Wenn dieses Stimmungstief länger als 10 Tage andauert, kann sich hieraus eine postpartale Depression entwickeln.
    10-15 % der Mütter entwickeln eine sogenannte postpartale Depression, eine psychische Erkrankung. Dabei wirken meistens mehrere Faktoren zusammen: biologische Ursachen, Schlafmangel, körperliche Erschöpfung, Stress oder Probleme im persönlichen Umfeld.
    Keinesfalls ist die Mutter schuld an diesem Zustand.
  • Warum kann ich mich über mein Kind nicht freuen?
    Zum Krankheitsbild der Depression gehört es, keine Freude empfinden zu können. Sich innerlich leer zu fühlen. „Ich sehe, wie mich das Baby anlächelt und kann nichts empfinden. Es ist mir gleichgültig. Es ist quälend, weil ich mich schuldig fühle“. So beschreiben viele Mütter ihre bedrückenden Gedankenspiralen und Empfindungen in depressiven Phasen.
  • Bin ich noch normal – oder auf dem Weg, krank zu werden?
    Ein Tief aus Traurigkeit, Lustlosigkeit und Erschöpfung ist eine normale Empfindung, die jeder kennt. Wenn solche Gefühle jedoch den ganzen Tag bestimmen und sich auch bei freudigen Ereignissen nicht mehr auflösen – dann ist das psychische Gleichgewicht gestört.
    Ernsthafte Hinweise auf eine Depression können sein: anhaltende Schlafstörungen, zunehmende Freud- und Teilnahmslosigkeit, Ängstlichkeit oder auch Reizbarkeit und lebensmüde Gedanken. Betroffene Patientinnen dazu:

    „Ich wusste nicht mehr, was ich einkaufen oder kochen sollte ... das Baby zu wickeln, war eine riesige Anstrengung ... der ganze Tag ein Berg ... ich wäre am liebsten im Bett geblieben und nie wieder aufgestanden“...
  • Woher weiß ich, ob ich zu den „Betroffenen“ gehöre?

    Es gibt einen kurzen und unkomplizierten Fragebogen (EDPS), der Ihnen beim Erkennen einer postpartalen Depression oder Angststörung helfen kann.

    Fragebogen (Hilfe finden)

    Oft hilft auch ein Anruf bei Frauen weiter, die selbst nach der Geburt psychisch krank waren – entweder im Freundeskreis oder bei der Selbsthilfegruppe "Schatten und Licht".

    Schatten und Licht PPD-Treff (Österreich)

    Vor allem aber sollten Sie mit Fachleuten in Ihrer Nähe sprechen – mit einem Psychiater/Psychotherapeuten. Oft kann Ihnen Ihr Hausarzt einen Kollegen oder eine Kollegin empfehlen. In Notfällen stehen immer psychiatrische Kliniken mit ihren Ambulanzen und Diensten rund um die Uhr für ein Gespräch zur Verfügung. In spezialisierten Mutter-Kind-Einheiten finden Sie immer kompetente Ansprechpartner, die ihre Fragen beantworten können.

    Sie können uns fragen:
    Mutter-Kind-Einheit am PZN Wiesloch, Station 43

    Telefon 06222 / 55 - 2770

    Mutter-Kind-Behandlung (Broschüre, PDF)

  • Wo erhalte ich professionelle Hilfe?

    Wir empfehlen Ihnen in jedem Fall, einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufzusuchen – oder eine spezialisierte Mutter-Kind-Einheit mit ambulanten und stationären Behandlungsangeboten.

    Auf der Webseite der Selbsthilfe-Organistation Schatten & Licht finden Sie zahlreiche nützliche Links:

    Mutter-Kind-Einrichtungen (ausführliche Linksammlung) Links zu weiteren Beratungs- und Therapieangeboten

  • Kann ich mich auch ambulant behandeln lassen?
    Der niedergelassene Psychiater/Psychotherapeut in Ihrer Umgebung hilft Ihnen gerne weiter, wird Sie selbst behandeln oder Ihnen ein Therapieangebot für Mutter und Kind empfehlen. Es gibt auch ambulante Gruppen- und Einzeltherapien für postpartal psychisch erkrankte Frauen.
  • Wie lange dauert eine stationäre Therapie?
    Sie müssen mit 6 Wochen rechnen, wenn Sie ein spezialisiertes Behandlungsprogramm mitmachen wollen. In manchen Fällen dauern die Behandlungen länger – aber auch weniger lange, z. B. bei einer Krisenintervention.
  • Was geschieht bei einer stationären Therapie?
    Nach einer sorgfältigen Diagnostik und Abklärung der individuellen Belastungen und Stressfaktoren werden gemeinsam mit Ihnen und Ihren Angehörigen die geeigneten Therapiemaßnahmen besprochen. Im allgemeinen werden psychotherapeutische Einzel-, Paar- und Angehörigengespräche angeboten. Es wird mit Ihnen besprochen, ob eine medikamentöse Behandlung für Sie sinnvoll ist. In unserer spezialisierten Mutter-Kind-Einheit (PZN, Station 43) führen wir eine interaktionale Mutter-Kind-Therapie durch, in Gruppen und mit Hilfe videogestützter Einzelpsychotherapien – zur schnellen Entlastung wird oft auch eine medikamentöse Behandlung angesetzt. Besonders ausgebildete Krankenschwestern, Pfleger und Erzieherinnen unterstützen die Mutter-Kind-Beziehung im Alltag und bieten Babymassage an.
  • Wer kümmert sich um mein Kind, wenn ich in die Klinik gehe?
    In unserer Mutter-Kind-Einheit (PZN, Station 43) kann gemeinsam mit Ihnen auch Ihr Kind aufgenommen werden. Ein kompetentes Pflegeteam und Erzieherinnen entlasten Sie bei der Betreuung – auch Ihr Partner oder nahe stehende Angehörige sind auf der Station willkommen, wenn Sie deren Hilfe in Anspruch nehmen möchten.
  • Bis zu welchem Kindesalter kann ich mich zur stationären Aufnahme anmelden?
    Kinder bis zum Alter von zwei Jahren nehmen wir gerne auf. Die Themen unseres Behandlungsprogramms sind abgestimmt auf Kinder gleich nach der Geburt bis zum Alter von ungefähr zwei Jahren. Auch für ältere Kinder kann eine Aufnahme sinnvoll sein. Darüber entscheiden wir mit Ihnen gemeinsam.
  • Werden die Kosten einer stationären Therapie von der Krankenkasse übernommen?
    Für die Behandlung der Mutter werden die Kosten von den Kassen übernommen. Das Kind hat einen „Gaststatus“, deshalb müssen die Mütter für Babynahrung, Windeln und Kleidung des Kindes selbst aufkommen. In unserer Klinik stehen für die Kinder Bettchen, Babyphon und Wickeltisch bereit.
  • Welche Medikamente werden verordnet?
    Im Allgemeinen werden Medikamente empfohlen, die gegen Angst und Schlafstörungen wirksam sind, die Stimmung heben und den Antrieb verbessern.
    Antidepressiva: bei psychischen Störungen, mit Stimmungstief, Angst, Antriebsmangel und Konzentrationsstörungen
    Antipsychotika: Wenn der Denkablauf durcheinander gerät, bei Wahnvorstellungen oder Sinnestäuschungen.
    Andere Medikamente: Darüber hinaus gibt es Medikamente, die bei Zwängen helfen, zur Stimmungsstabilisierung, und solche, die rasch beruhigen und den Schlaf fördern.
  • Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?
    Nebenwirkungen hängen von individueller Verträglichkeit und Dosierung ab, sind also bei sorgfältiger medikamentöser Einstellung vermeidbar. Außerdem gibt es meistens Alternativen: wird das eine Medikament nicht vertragen, wird es durch ein anderes ersetzt. Wenn Nebenwirkungen eintreten, verschwinden sie in der Regel nach wenigen Tagen.
  • Schaden die Medikamente dem Kind – darf ich trotzdem stillen?

    Generell ist das Stillen unter Medikamenteneinnahme nicht ausgeschlossen. Die Eltern sollten sich über Nutzen und Risiken der Medikamenteneinnahme ärztlich beraten lassen – und ausführliche Informationen darüber einholen, ob ein bestimmtes Medikament Auswirkungen auf den Organismus des Kindes haben könnte. Die Entscheidung, zu stillen, bleibt in jedem Fall der Mutter vorbehalten.

    Ausführliche Informationen finden Sie auch im Buch „Psychopharmakotherapie in Schwangerschaft und Stillzeit (Möglichkeiten und Grenzen)“ von Anke Rohde und Christof Schäfer, erschienen im Georg Thieme Verlag, ISBN: 3-13-134331-1

    Den neuesten Kenntnisstand kann sich ihr Arzt bei spezialisierten pharmakologischen Instituten einholen, z.B. bei der Beratungsstelle für Embryotoxikologie in Berlin (Spanndauer Damm 130, 14050 Berlin, Tel. 030/30686734) oder an der Universitätsfrauenklinik Ulm (Prittwitzstr. 43, 89075 Ulm, Tel. 0731/5027625).

kleiner Junge